Baldrian

Baldrian (Valeriana officinalis) ist eine mehrjährige Blütenpflanze aus der Baldriangewächse-Familie mit süßlich duftenden rosa oder weißen Blüten, zahlreichen Wurzeln und einem charakteristischen Geruch. Der Gattungsname leitet sich vom lateinischen Verb valere ab, was „stark und gesund sein“ bedeutet, während der Volksname „Katzenkraut“ auf die ungewöhnlich starke Anziehung zurückzuführen ist, die der Duft von Blättern und Wurzeln auf Katzen ausübt.
Seit der Antike gilt Baldrian als eine der magischen Pflanzen, die den Weg ins Jenseits weisen soll. Das Kraut wurde „Mondwurzel“ oder „Elfenkraut“ genannt, da geglaubt wurde, dass die Wasser- und Mondelfen bei mondhellen Nächten um die Pflanze tanzen.
Mit einer Geschichte, die bis ins antike Griechenland und Rom zurückreicht, wurde Baldrianwurzel gegen Schlaflosigkeit und zur Linderung von Nervosität und Angstzuständen eingesetzt. Hippokrates war der erste, der seine medizinischen Eigenschaften beschrieb, und die griechischen Ärzte Dioskorides und Galen nutzten das Kraut als Gegengift bei Vergiftungen. Im Mittelalter wurde es gegen Epilepsie, zur Heilung trophischer Geschwüre und zur Behandlung von Wunden bei bettlägerigen Patienten verwendet.
In Schweden legte man die Pflanze in Hochzeitskleider, um Neid abzuwehren. Andere Überlieferungen berichten von ihrer Nutzung zum Schutz vor Unglück und bösen Mächten. Dennoch ist Baldrian vor allem für seine Wirkung auf das Nervensystem bekannt geworden. Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs wurde er zur Behandlung psychischer Störungen und nervlicher Belastungen verwendet. Baldrian diente zudem zur Beduftung von Bädern sowie zur Herstellung von Seifen und Aromamischungen.
Baldrian ist ein Heilkraut, bei dem vor allem die Wurzeln und Rhizome genutzt werden. Baldrianwurzeln enthalten chemische Verbindungen wie Valeriansäure und Isovaleriansäure, die die Schlafqualität verbessern und Angstgefühle verringern. Die beruhigende und sedierende Wirkung der Baldrianwurzel beruht auf der Fähigkeit ihrer Inhaltsstoffe, die Erregbarkeit des Nervensystems zu senken. Die Baldrianwurzel erhöht den GABA-Spiegel—eine Aminosäure, die für die Regulierung von Nervenzellen verantwortlich ist—und reduziert so Angstzustände und die Symptome von chronischem Stress.
Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben Baldrian und seine Präparate als wirksames Nervenkraut, mildes Schlafmittel und Antispasmodikum bestätigt. Aufgrund seiner sedativen Wirkung wird Baldrian insbesondere bei Überlastung, nervöser Herzrasen, Schlaflosigkeit, Unruhe, Angstzuständen, Hysterie, Kropf, Schwindel und ähnlichen Beschwerden eingesetzt. Gute Ergebnisse wurden auch bei kurzzeitigem, unruhigem und oberflächlichem Schlaf beobachtet.
Eine interessante Tatsache über Baldrian ist, dass das ätherische Öl aus seinem Rhizom den Stoff Actinidin enthält, der als Attraktor für Katzen wirkt. Dies liegt an der Ähnlichkeit von Actinidin zu einem in Katzenurin vorkommenden Stoff.








