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Hanf

Hristian Ivanov
17 Dezember 2025 • 4 min. Lesezeit
Hanf

Hanf (Cannabis), auch „Kanabi“ genannt, gehören zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Cannabis ist zweihäusig, das heißt, es gibt männliche und weibliche Pflanzen.

Hanf ist eine der ältesten bekannten Pflanzen der Erde und zugleich eine der frühesten, die vom Menschen kultiviert wurden. Die Pflanze ist unter vielen Namen bekannt, was ihre kulturelle Bedeutung bezeugt. In einem assyrischen Keilschrifttext von 685 v. Chr. wird sie „kunubu“ genannt, und im folgenden Jahrhundert erscheint der Name als „kannapu“, woraus das griechisch-lateinische „Cannabis“ abgeleitet wurde.

Hanffasern und -samen wurden in den ältesten Schichten eurasischer Kulturen gefunden. Ursprünglich in Zentralasien beheimatet, verbreitete sich der Hanf durch den Menschen weltweit. Der älteste Nachweis stammt aus archäologischen Ausgrabungen auf der Insel Taiwan, wo Keramikgefäße mit Hanfseilabdrücken in Schichten gefunden wurden, die 12.000 Jahre alt sind.

In der Antike galt Hanf als exotische Pflanze. In der Odyssee beschreibt Homer, wie die schöne Helena in Depressionen verfiel und mit einem aus Ägypten gebrachten Heilmittel behandelt wurde. Dieses Mittel hieß nepenthē („Trauervertreiber“), was viele moderne Linguisten als leicht veränderten ägyptischen Namen für Cannabis – nibenji – ansehen. Archäologische Funde am Ukok-Plateau, nahe der Grenze zwischen Russland, China, der Mongolei und Kasachstan, enthüllten 2.000 Jahre alte mumifizierte Überreste einer Skythenkönigin, elegant in weiße Seide gehüllt, mit einem kleinen rituellen Behälter Cannabis. Archäologen gehen davon aus, dass der Skythen-Hanf „zum Vergnügen geraucht und für heidnische Rituale verwendet wurde“.

Thrakische Stämme verbrannten die weiblichen Cannabisblüten als mystisches Räucherwerk, das Trancezustände hervorrief. Den thrakischen Zauberern wurde die besondere Fähigkeit zugeschrieben, dass die „magische Hitze“ des brennenden Hanfs die Pflanzen in den Flammen auflöste und dann in der Person, die die Dämpfe einatmete, wieder zusammentraf. Die Hanfkultivierung in China begann bereits im 28. Jahrhundert v. Chr., als der legendäre zweite Kaiser Shennong seinen Untertanen das Flechten von Seilen aus der Pflanze lehrte. In einem medizinischen Traktat von 220 n. Chr. empfahl der Arzt Hua Tuo Wein mit zugesetztem Cannabisextrakt als Anästhetikum.

Hanf hat auch in Indien eine lange Geschichte, die von Legenden und Religionen umwoben ist. Der früheste Nachweis der Verwendung von Cannabis in Indien findet sich in den Veden und heiligen Hindu-Texten aus den Jahren 2000–1400 v. Chr. Der Hindu-Text Atharvaveda listet Cannabis sogar als eine der fünf heiligen Pflanzen der Erde auf, die Angstzustände lindern. Die Veden nennen Hanf eine Quelle des Glücks, einen Spender von Freude und einen Befreier. Der Gott Shiva wird oft mit Cannabis assoziiert, das in Indien als bhang bekannt ist. Einer Legende zufolge zog sich Shiva nach einem Streit mit seiner Familie in die Natur zurück. Vom Konflikt und der heißen Sonne erschöpft, schlief er unter Hanfblättern ein. Beim Erwachen kostete er neugierig die Blätter. Sofort erfrischt machte Shiva Cannabis zu seiner Lieblingsspeise und wurde als Herr des bhang bekannt. Von der Antike bis heute werden Hanfblätter zur Zubereitung eines Getränks namens bhang verwendet, das während religiöser Zeremonien und Feste in Indien konsumiert wird.

Cannabis war eng mit esoterischen Strömungen sowohl im Hinduismus als auch im Islam verbunden. Hindus verwenden bhang bei religiösen Zeremonien wie Holi, und Asketen nutzen es, um dem Göttlichen näherzukommen. Seine halluzinogenen Eigenschaften wurden in esoterischen Praktiken wie Yoga und der asketischen Disziplin der Sadhus – indische Asketen, die das materielle Leben aufgeben – eingesetzt, um spirituelle Freiheit zu erlangen, die gewöhnliche Realität zu transzendieren und Erleuchtung zu erreichen. 1842 machte der Arzt W. B. O’Shaughnessy das potente indische Cannabis (ganja) durch seine Bengal Pharmacopoeia erstmals in England populär. Cannabis wurde in die Liste der Standardmedikamente aufgenommen und fand sich in jeder Apotheke.

Im 18. Jahrhundert diskutierten die berühmten Biologen Linnaeus und Lamarck über die Anzahl der Hanfarten. Man einigte sich darauf, dass die europäische Variante Cannabis sativa und die indische Cannabis indica heißen sollte, doch die moderne Wissenschaft betrachtet sie als unterschiedliche Rassen einer einzigen Art und hat nur den Namen Cannabis sativa übernommen.

Heute hat Hanf unzählige bewährte Anwendungen in nahezu allen Bereichen der industriellen Produktion. Er wird für seine Fasern angebaut – extrem stark und feuchtigkeitsbeständig – die zur Herstellung von Seilen, Textilien, Papier und vielem mehr verwendet werden. Seine Samen sind reich an Öl und Eiweiß und stellen eine hervorragende Nahrungs-, Medizin- und Energiequelle dar. Damit zählt Hanf zu den wertvollsten Ressourcen der Erde.

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