Rosmarin

Rosmarin (Rosmarinus officinalis) ist ein aromatischer, immergrüner Strauch mit nadelartigen Blättern, die an Kiefernnadeln erinnern. Er blüht mit zahlreichen kleinen violetten, blauen oder weißen Blüten. Reibt man die Blätter, entfalten sie einen kräftigen, leicht süßlichen Kampferduft, der an Kiefer erinnert.
Der Gattungsname Rosmarinus stammt von den lateinischen Wörtern ros und marinus, „Tau des Meeres“, aufgrund der meerblauen Blütenfarbe und weil wild wachsender Rosmarin oft an den Mittelmeerküsten gedeiht. Einer Legende aus der griechischen Mythologie zufolge war Aphrodite, als sie aus dem Meer aufstieg, in Rosmarinzweige gehüllt—was dem Kraut zusätzlichen Zauber verleiht.
Auf Griechisch bedeutet der Name des Krauts „das Räucherwerk der Blumen und Bäume“. Es gehört zu den ältesten Düften, die als Räucherwerk verwendet wurden. Rosmarin spielte eine besondere Rolle in der antiken griechischen Religion, wo er Altäre, Tempel und heilige Stätten schmückte und weihte. Griechen, Ägypter und Römer verehrten Rosmarin als heiliges Symbol der Liebe. Sie nutzten das Kraut, um Gedächtnis und Konzentration zu verbessern und böse Mächte sowie Albträume abzuwehren. Man sagt, dass in der Antike Schüler beim Lernen Rosmarinzweige ins Haar steckten. Wissenschaftler verbinden den Duft der Pflanze mit einer Verbesserung des Langzeitgedächtnisses. Das berühmteste literarische Echo findet sich in „Hamlet“, als Ophelia sagt: „Hier ist Rosmarin, das ist für die Erinnerung—bitte, Liebster, erinnere dich.“
Bereits im 14. Jahrhundert waren die tonischen, schmerzlindernden und antiseptischen Eigenschaften des Rosmarinöls bekannt. Es war Hauptbestandteil eines der ersten alkoholbasierten Parfums Europas—„das Wasser der Königin von Ungarn“. Die vitale und energiegeladene Königin Elizabeth führte ihre Kraft bis ins hohe Alter auf dieses berühmte „Wasser“ zurück, das hauptsächlich aus destilliertem Rosmarin hergestellt wurde.
Christen in Nordeuropa glaubten, dass das Kraut Erinnerungen bewahrt, und legten es oft auf Gräber oder verwendeten es als Symbol der Treue von Liebenden. In Frankreich stellte man während Pestepidemien Rosmarinwein her, und Zweige wurden an Türen als Schutz vor der tödlichen Krankheit platziert. Ältere Überlieferungen besagen, dass Rosmarin 33 Jahre wächst, um das Alter Christi bei seiner Kreuzigung zu erreichen.
Jahrhunderte vor der Erfindung der Kühlung nutzte man Rosmarin zur Konservierung von Fleisch und anderen Lebensmitteln. Dank seiner starken antioxidativen Wirkung wickelte man Fleisch in zerdrückte Rosmarinblätter; so blieb die Frische erhalten, und Geruch sowie Geschmack wurden bewahrt. Rosmarin wurde seit der Antike ausgiebig in magischen Zaubern und Formeln verwendet, am bekanntesten jedoch für seine reinigenden und schützenden Eigenschaften. Es wird in Ritualen zur Reinigung und zur Aufhebung von Verzauberungen eingesetzt.
Im Schamanismus wurden die magischen Eigenschaften des Rosmarins bei astralen Reisen des energetischen Körpers im „Jenseits“ genutzt. Rosmarin verstärkte die Fähigkeit des Schamanen, einen meditativen oder tranceähnlichen Zustand zu erreichen, in dem sich der Astralkörper vom physischen Körper abspaltet.
Heute zeigt die moderne Wissenschaft, dass Rosmarin die Verdauung verbessern, Muskel- und Gelenkschmerzen bei äußerlicher Anwendung lindern und lebensmittelbedingte Krankheitserreger neutralisieren kann. Die „Magie“ des Krauts zeigt sich auch in seiner Wirkung auf die Stimmung—wie ein belebender Mai-Regen erfüllt es Herz und Geist mit Lebensfreude und Wissensdurst.








