Waldkiefer

Waldkiefer (Pinus sylvestris) ist ein immergrüner Nadelbaum aus der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae), der Höhen von bis zu 40 m und ein Alter von bis zu 600 Jahren erreicht. Sie kommt in den meisten Regionen der Nordhalbkugel bis in Höhenlagen von 2.200 m vor.
Die Waldkiefer gehört zu den ältesten bekannten Heilpflanzen. Seit der Antike wird sie von Dichtern gepriesen und von den alten Phrygiern (einer thrakischen Stammesgemeinschaft in Kleinasien) als heilige Pflanze verehrt; ihre Früchte—die Zapfen—galten als Symbol der Fruchtbarkeit.
Seit Jahrhunderten ist die Waldkiefer für ihr berauschendes und desinfizierendes Aroma sowie für das heilende Harz, das sie absondert, bekannt. Weniger bekannt ist, dass aus ihrem Harz feiner Bernstein entsteht. In der fernen Vergangenheit sollen ihre honiggelben Stücke—„harzige Tränen“—bereits in der Urzeit, vor etwa 10 Millionen Jahren, von den Vorfahren dieser Nadelbaumart ausgewaschen worden sein.
Bei archäologischen Ausgrabungen 1889 in der zentralen Stadt des alten sumerischen Staates wurden tausend Tontafeln mit Keilschrift entdeckt, eine davon enthielt 15 medizinische Rezepte mit Substanzen pflanzlichen, tierischen und mineralischen Ursprungs. Dieser wertvolle Fund aus fünf Jahrtausenden zeigt, dass die alten sumerischen Heiler die heilenden Eigenschaften von Pflanzenölen und Harzen gut kannten und getrocknete Kiefern- und Tannennadeln für Umschläge und Kompressen verwendeten.
Im Alten Ägypten war Harz der Waldkiefer Teil der Zusammensetzung und der geheimen Rituale bei der Einbalsamierung. Kiefernharz wurde in einem der beliebtesten altägyptischen Verhütungsrezepte eingesetzt, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern.
Wie bekannt ist, gilt Wein als Geschenk der Götter, und selbstverständlich liegt seine Wiege im antiken Griechenland. Zahlreiche Aufzeichnungen belegen, dass guter Wein oft den Duft von Harz trug. Außerdem entdeckten Archäologen auf antiken Amphoren—einige in der Nähe von Sozopol gefunden—Spuren von Kiefernharz. Einer Legende zufolge offenbarte Dionysos selbst den Menschen das Geheimnis, die Kiefernharz nicht nur zur Versiegelung von Weinbehältern, sondern auch als natürliches Konservierungsmittel mit nachgewiesener antibakterieller Wirkung nutzten. Noch heute gilt die Zugabe von Kiefernharz zu Wein als eine der ältesten Traditionen im Weinbau.
Der große Avicenna empfahl einen Aufguss ganzer Zapfen als Mittel zur Verdünnung und Klärung zäher Bronchialsekrete bei Lungenentzündung sowie zur Wundheilung. Laut Avicenna wirkt sogar der Rauch von brennendem Kiefernholz therapeutisch. Jahrhunderte lang nutzten Völker des Nordens, Reisende und Seeleute einen Aufguss von Kiefernnadeln gegen Skorbut. Im Mittelalter wurde Kiefernharz beim Bau von Seefahrzeugen verwendet.
Einige nordamerikanische Stämme nannten die Waldkiefer „Hüter des Himmels“ wegen ihrer Höhe und ihres ständigen Strebens nach oben, um die Sonnenstrahlen einzufangen. Diese Vorstellung teilen viele Völker, die sie als „Meister des Lichts“ bezeichnen.
Es gibt Legenden von „Sibirischer Gesundheit und Langlebigkeit“, die weitgehend den einzigartigen klimatischen Gegebenheiten Sibiriens zugeschrieben werden, auch als die „grünen Lungen des Planeten“ bekannt. Der Name ist der immergrünen Schönheit der Nadelwälder der Waldkiefer im Norden zu verdanken. Das Aroma von Kiefern- und Tannenzweigen desinfiziert die Luft dank der phytonzidhaltigen, flüchtigen Verbindungen, die von den Nadeln freigesetzt werden. Die Kiefertherapie ist seit Jahrtausenden eine bewährte Methode zur Bekämpfung vieler Krankheiten sowie zu deren rechtzeitiger Vorbeugung.








