Engelwurz

Echte Engelwurz (Angelica archangelica), auch bekannt als „Engelskraut“ und „heilende Pischjalka“, ist eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae/Umbelliferae).
Der lateinische Name leitet sich vom griechischen αγγελος (angelos) – „Bote“ – ab und wurde nach dem Erzengel Michael benannt. Es wird geglaubt, dass der Erzengel Michael in einer Vision erschien und die magischen Kräfte der Pflanze offenbarte. Die Herkunft des deutschen Namens ist unklar, wahrscheinlich hängt sie damit zusammen, dass Hirten aus den hohlen Stängeln Flöten (Pischjalka) herstellen; zudem wird die Pflanze in verschiedenen religiösen und heidnischen Ritualen verwendet, um böse Geister abzuwehren und vor Hexen zu schützen.
Angelica hat eine alte Bedeutung und ungewisse Herkunft. Die Pflanze erscheint in mehreren Legenden, eine davon ist mit dem Erzengel Michael verbunden, der vor Jahrzehnten dieses Kraut während einer Pestepidemie auf die Erde brachte. In jener Zeit wurden dank der Pflanze viele Leben gerettet, wodurch sie den Namen „Engelskraut“ erhielt, der sich im Laufe der Jahre zu Angelica entwickelte. Eine andere Überlieferung besagt, dass der Name „Engelskraut“ wegen ihres Aussehens entstand – zarte Blüten, die in einer komplexen Dolde angeordnet sind und einem majestätischen Heiligenschein ähneln.
Unter den skandinavischen Völkern galt Engelwurz als heilige Pflanze mit „engelhaften Kräften“ zur Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden. Aus ihrem Stängel wird ein Musikinstrument ähnlich einer Flöte gefertigt. Die nördlichen Völker geben sie außerdem als Aromastoff in Rentiermilch. Ein weiterer interessanter Fakt ist, dass ihre schönen Stängel kandiert und als Dekoration verwendet werden.
Im Mittelalter wurde ein flüssiger Extrakt der Engelwurz hergestellt; Ritter gaben einige Tropfen in Augen und Ohren, da sie glaubten, dadurch Sehen und Hören zu schärfen. In ganz Nordamerika nutzen indigene Völker viele Engelwurzarten als Nahrung, Heilmittel, Rauschmittel und für rituelles Rauchen. In der chinesischen Medizin gilt Engelwurz als „weibliches“ Pendant zu Ginseng, da sie den weiblichen Organismus harmonisiert. Man glaubt, dass sie Jugend verlängert, die reproduktive Phase ausdehnt und den Energiefluss entlang der Meridiane wiederherstellt.
Als Allheilmittel für zahlreiche gesundheitliche Probleme ist Engelskraut seit der Antike für seine östrogenwirksamen, verdauungsfördernden, beruhigenden und entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt.
Das einzigartige Wurzelsystem der Pflanze ermöglicht es ihr, Feuchtigkeit so zu speichern, dass Engelwurz in nur zwei Wochen einen Meter Höhe erreichen kann. Eine ganze Kosmetiklinie basiert auf dem Wurzelextrakt der Engelwurz. Dieser sorgt für eine höhere Hydratation der menschlichen Zellen und regt die Produktion von Elastin und Kollagen an, die für Jugendlichkeit und Elastizität der Haut verantwortlich sind.
Alle Teile der Engelwurz – Stängel, Samen und Wurzeln – werden in der Küche und als Heilpflanze genutzt. Die Stängel dienen der Süßwarenherstellung, während die Samen Suppen und Cremes wegen ihres angenehmen moschusartigen Aromas zugesetzt werden. Engelwurzöl ist sehr teuer und wird in der Süßwaren-, Wein-Spirituosen- und Tabakindustrie verwendet, zur Herstellung von Verdauungskräutern, sowie zum Aromatisieren von Likören wie Benedictine, Wermut, Dubonnet und Chartreuse. Engelwurz findet zudem Anwendung bei der Destillation von Gin und Absinth.








